Ursprünglich veröffentlicht am 26. März 2021.
Verfasst von: Anja Kaup (PR und Marketing Managerin) – anja.kaup@infocient.de

In welcher Form und in welchem Ausmaß lösen Berichte beabsichtigte und unbeabsichtigte Verhaltenswirkungen bei den Beteiligten aus? Durch welches unbeabsichtigtes Verhalten der Berichtsersteller werden Berichte umgekehrt selbst beeinflusst?

Dieser spannenden Fragen geht das „essential“ aus dem Springer Gabler Fachverlag nach, das Wissen in konzentrierter Form liefert. Der Autor Professor Dr. Andreas Taschner schöpft aus seiner langjährigen Praxiserfahrung in der Industrie und lehrt Controlling an der ESB Business School, Hochschule Reutlingen.

Ziel des Buches

Das Buch geht auf einen oft vernachlässigten Aspekt des Berichtswesens ein, der die Effektivität und Effizienz des Management Reportings bestimmt.

Ziel ist, dass Leser die direkten und indirekten Wirkungen von Berichten auf das Verhalten kennen und verstehen, um „unerwünschte Nebenwirkungen“ zu vermeiden – und damit das Management Reporting effektiver einsetzen zu können. Dafür wird der Ansatz des „Behavioral Accounting“ auf die Controllingaufgabe des internen Berichtswesens angewandt.

Behavioral Accounting als Teilgebiet des Rechungswesens versucht, die Auswirkungen der Gestaltung des Rechnungswesens auf menschliches Verhalten zu erklären, vorherzusagen und Empfehlungen zu geben. Dafür nutzt Behavioral Accounting Ansätze aus der Psychologie und Soziologie.

Berichte haben in jeder Phase des Berichtsprozesses verhaltensbeeinflussende Wirkungen, die nicht nur die Empfänger sondern auch auf die Ersteller betreffen. Besonders interessant sind die nicht beabsichtigten und die manipulativen Wirkungen.

Manipulative Wirkungen
Die Sprache ist eines der wichtigsten manipulativen Steuerungselemente. Mit einer bestimmten Wortwahl können beim Empfänger bestimmte Assoziationen provoziert werden. Beispielsweise kann ein Gewinnrückgang als „signifikant“ oder auch „dramatisch“ bezeichnet werden – die Interpretation wird dadurch beeinflusst. Redundanz oder die Gestaltung und Anordnung von Inhalten führt ebenfalls zu einer Verhaltensbeeinflussung.

Versteckte Wirkungen von Berichten
Versteckte Wirkungen treten dann auf, wenn sich kein Beteiligter der verhaltenssteuernden Wirkung bewusst ist. Ein wesentliches Element sind verschiedene Formen von Problemlösungsstrategien oder Heuristiken. Solche „Daumenregeln“ können Komplexität reduzieren, Entscheidungen beschleunigen und Sicherheit geben. Sie sind im Regelfall durchaus sinnnvoll. Im Einzelfall können sie negative Konsequenzen haben.

Betriebsblindheit als Beispiel für versteckte Wirkung
Dass Menschen mit zunehmender Erfahrung viel Wissen ansammeln, führt gern zu einer geringeren Neigung, sich mit Unvertrautem oder Neuem auseinanderzusetzen – Menschen werden „betriebsblind“.
Betriebsblinde Berichtsempfänger setzen ihren zukünftigen Informationsbedarf weitgehend mit ihrem aktuellen Informationsangebot gleich, betriebsblinde Berichtsersteller nutzen vertraute Quellen und eingeübte Datenaufbereitungsmuster.
In stabilen Aufgabenfeldern führt dies zu guten Ergebnissen („Übung macht den Meister“). Aber in schnell veränderlichen Umgebungen bestätigen sich die Beteiligten in eingefahrenen Verhaltensmustern,es werden keine Lerneffekte ausgelöst und dies kann gefährlich werden.

Zielgruppen des Buches

Das Buch richtet sich an Praktiker im Controlling, Führungskräfte wie auch alle anderen Nutzer und Ersteller von Berichtsinformationen.

Aufbau des Buches

Das Buch ist in 5 Kapitel gegliedert

Kapitel 1, Management Reporting – Grundlagen, führt in die Grundlagen des Berichtswesens ein. Dazu gehören die Gestaltungsdimensionen (die „W-Fragen“), Prozesse und Betrachtungsperspektiven.

Kapitel 2, Kurzdarstellung des Behavioral Accounting, beschreibt kurz die noch junge Disziplin des „Behavioral Accounting“ mit den notwendigsten Konzepten und Zusammenhängen.

Kapitel 3, Verhaltenswirkungen des Management Reporting, gibt einen kurzen Abriss von verschiedenen Wirkungsarten von Berichten auf menschliches Verhalten.

Kapitel 4, Versteckte Verhaltenswirkungen des Management Reporting, geht schließlich auf die Bedeutung der wesentlichen Heuristiken („Daumenregeln“) im Berichtswesen ein und gibt Anregungen, wie mit versteckten Verhaltenswirkungen umgegangen werden sollte.
Die Heuristiken werden in kurzer, „lexikalischer“ Form vorgestellt von „Availability Bias“, über „Betriebsblindheit“ oder „Labelling Effekt“ bis hin zu „Verankerungsheuristik“ – mit ihren negativen Auswirkungen auf Effektivität (Grad der Zielerreichung) und Effizienz (Kosten-Nutzen Relation) des Management Reportings.

Kapitel 5, Fazit, fasst die wesentlichen Erkenntnisse abschließend zusammen.

Besonderheiten des Buches

  • Wie schon erwähnt ist das Buch ein „essential“, das schnell, unkompliziert und verständlich auf 52 Seiten die Kernpunkte erklärt.
  • Dieses „essential“ stützt sich im ersten und vierten Kapitel auf Taschners Buch „Management Reporting – Erfolgsfaktor internes Berichtswesen“, in dem der Autor umfassender auf diese Themen eingeht.
  • Das Buch ist klar gegliedert und bietet anschauliche und erklärende schwarz-weiß Grafiken.
  • Die einzelnen Daumenregeln werden alphabetisch behandelt, nach der Erklärung wird auf die Vorteile, aber auch auf die spezifische „Gefahr“ für das Berichtswesen hingewiesen.

Fazit


Auch wenn im letzten Kapitel Maßnahmen zum Umgang mit versteckten Verhaltenswirkungen aufgelistet werden (u.a. Schulungsmaßnahmen, Personalauswahl, klare Zielvorgaben Berichtspflichtenheft, breites Netz an Informationsquellen und organisatorische Maßnahmen), ist es unmöglich, ein allgemeingültiges „optimales Berichtsszenario“ zu definieren. Ausgeprägtes Expertenwissen eines Berichtsempfängers kann dämpfend auf den Effekt des „information overload“ wirken, dafür sind Experten anfälliger für den „Validitätseffekt“.

Ziel ist, eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen zu verknüpfen und die Daumenregeln in geordnete Bahnen zu lenken.

Das essential hilft, die Wirkungen von Berichten zu kennen – insbesondere die unbeabsichtigen, um das Berichtswesen zu optimieren.

Das Bewusstsein um diese Wirkungen ist Voraussetzung und erster Schritt, um sie möglichst im Sinne der Unternehmensziele auszurichten. Dafür eignet sich der kleine und gut strukturierte Band.

Wie gut die Umsetzung gelingt, hängt dann sicher vom Willen ab, Zeit in Schulung, Aufklärung und die Formulierung klarer Zielvorgaben zu investieren.

Management Reporting und Behavioral Accounting: Verhaltenswirkungen des Berichtswesens im Unternehmen. Autor: Andreas Taschner, Wiesbaden: Springer Gabler Verlag, 2. Auflage, 2018, 60 Seiten