Verfasst von: Anja Kaup (PR und Marketing Managerin) – anja.kaup@infocient.de

Dieses Buch entwickelt Regeln für die einheitliche Visualisierung von betriebswirtschaftlichen Themen.

In den meisten anderen Branchen gibt es klar definierte Regeln und Symbole, die unabhängig vom Ersteller, Anwender oder der eingesetzten Software gelesen und verstanden werden können – wie Noten bei Musikern, Pläne bei Architekten oder Schaltpläne bei Elektroingenieuren. Doch bei betriebswirtschaftlichen Themen bleibt es den Anwendern der Software überlassen, ob sie Tabellen oder Kuchendiagramme einsetzen und wie sie diese gestalten.

Standardnotationen wie „Plan ist gerahmt“ sollen genauso selbstverständlich werden wie „Norden ist oben“ bei Landkarten, schreibt Prof. Dr. Dr. H.C. Jürgen Weber im einleitenden Geleitwort. Mit diesem Buch wollen die Autoren Rolf Hichert und Jürgen Faisst dazu beitragen, dass künftig auch Betriebswirte ihre Erkenntnisse nach internationalen Standards darstellen.

Ziel des Buches

Die Autoren stellen sich der Herausforderung, eine Standardnotation für Managementberichte zu entwickeln. Bisher gibt es keine Gemeinsamkeiten bei Management-Dashboards.

Ziel des Buches ist, diesen Standard zu entwickeln und zu verbreiten. Dazu nutzen die Autoren Inhalte, die über die Plattform des gemeinnützigen Vereins der IBCS Association (International Business Communication Standards) veröffentlicht, diskutiert und weiterentwickelt werden können.

Der Nachteil fehlender Notationsstandards ist, dass jedes Diagramm und jede Tabelle anders aussieht, die Leser keine Muster erkennen und sich jedes Mal neu orientieren müssen. Nur wenn Gleiches gleich aussieht und Verschiedenes verschieden, können die beachtlichen Fähigkeiten des Gehirns zur intuitiven Mustererkennung genutzt werden. Das beschleunigt das Verstehen von Berichten.

Diagramme und Tabellen sollen so gestaltet werden, dass sie einfach und schnell die Bedeutung des Dargestellten wiedergeben (semantische Notation).

Zielgruppe des Buches

Das Buch richtet sich an alle, die sich mit der Aufbereitung von Daten in Grafiken und Diagrammen beschäftigen. Speziell Betriebswirte werden das Prinzip der Mustererkennung mit Hilfe von Notationsstandards für eine effizientere Geschäftskommunikation einsetzen können.

Controller, Berater, Softwareentwickler und Führungskräfte stellen bereits die Hauptmitgliedsgruppe des gemeinnützigen Vereins der IBCS Association dar, der zur Entwicklung und Verbreitung von Notationsstandards im Berichtswesen gegründet worden ist.

Auch Hochschulen mit betriebswirtschaftlichen Studiengängen möchten die Autoren bei der Einführung von Standardnotationen unterstützen.

Aufbau des Buches

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert:

Kapitel 1, Verstehen durch Mustererkennung, leitet die Notwendigkeit von Notationsstandards her durch den Vergleich mit anderen Disziplinen und der Erklärung der Vorteile von Mustererkennung.

Kapitel 2, Zeichen und deren Bedeutung, entwickelt die visuelle Berichtssprache. Es arbeitet Aspekte der Geschäftskommunikation heraus, die semantisch notiert werden können, damit sie schneller verstanden werden. Beispiele sind: wie können Abweichungen oder Hervorhebungen dargestellt werden? Wie kann man den Zeitbezug schnell erfassbar machen?

Kapitel 3, Berichtsobjekte, Analysen und Fachthemen, wendet die beschriebenen Konzepte auf einfache Tabellen und Diagramme an und steigert sich in der Komplexität bis hin zu Vorlagen für eine Bilanzanalyse.

Kapitel 4, Notationshandbuch und Anwendungsbeispiele, erklärt die Anwendung in der Praxis und wie Konzepte in ein betriebliches Notationshandbuch für Berichte und Präsentationen überführt werden können.

Der Ausblick, Akzeptanz und Verbreitung, fasst die etablierten Berichtsnotationsstandards zusammen und blickt auf das, was die Autoren in den kommenden Jahren erwarten.

Besonderheiten des Buches

  • Das Buch ist als Hardcover vierfarbig gestaltet oder als E-Book für Kindle erhältlich.
  • Die Autoren beweisen ihre Thesen zur treffsicheren Reaktion mit Hilfe der Mustererkennung immer wieder mit kleinen Experimenten im Buch und durch den Vergleich mit anderen Disziplinen.
  • Durch die Aufmachung und Farbgestaltung lebt das Buch vor, was es predigt.
  • Das Buch ist leicht lesbar und klar gegliedert. Jedes Kapitel fasst am Ende die wichtigsten Inhalte auf einer schwarz abgesetzten Seite zusammen.

Buchtipp Gefüllt gerahmt schraffiert Abbildung 1

Abb. 1: Zusammenfassung Kapitel 2.3 „(gefüllt, gerahmt, schraffiert“), S. 79

  • Im Exkurs zu Kapitel 2 schlagen die Autoren eine neue Symbolsprache vor, damit Messgrößen wie Umsatzerlöse, Mitarbeiterzahlen oder Qualitätskennzahlen nicht mehr gleich dargestellt, sondern visuell erkennbar werden.

Buchtipp Gefüllt gerahmt schraffiert Abb. 2

Abb 2: Symbole für Messgrößenklassen, S. 120

  • Im dritten Kapitel nutzen die Autoren Übungsaufgaben, bei denen man sich nach Beschreibung eines Sachverhalts selbst überlegen kann, welche visuelle Darstellung man nutzen würde, bevor man sich die Musterlösung ansieht.

Buchtipp Gefüllt gerahmt schraffiert Abb. 3 Übungsaufgabe

Abb. 3: Beispiel einer Übungsaufgabe, S. 160

  • Außerdem entwickeln die Autoren Mustervorlagen für verschiedene Formen der Abweichungsanalyse – insbesondere bei Zeitreihen und strukturellen Vergleichen. Denn gerade die Betrachtung der Abweichungen von Plan- und Istwerten hilft, Maßnahmen abzuleiten, um diese Lücke zu schließen.
  • Das Beste ist, dass die Autoren einen weiteren Schritt gehen und funktionale Best-Practice-Vorlagen für Bilanz-, Erfolgs- und Liquiditätsbericht anregen. Schließlich sind die darzustellenden Inhalte handelsrechtlich für die externe Berichterstattung geregelt. Den Wettbewerb um branchen- oder funktionsspezifische Vorlagen überlassen sie den fachlichen Spezialisten. Ihnen geht es nur um Vorschläge für die beste einheitliche Visualisierung. Das gleiche gilt für Mustervorlagen für die häufigsten Diagramm- und Tabellentypen in Unternehmen, wie Zeitreihenanalysen mit Säulen und Linien oder Mehrfachdiagramme und Kennzahlenbäume.
  • Als Hilfsmittel für die Berichtserstellung schlagen sie ein unternehmensspezifisches Notationshandbuch vor, das festhält, wie Berichte, Präsentationsschaubilder und Dashboards visualisiert werden sollten. Auch dafür bieten sie ausführliche Beispiele.

Fazit


Bisher werden die Probleme der visuellen Wahrnehmung nur angesprochen und die Vor- und Nachteile von Lösungsalternativen diskutiert (Stichwort „Verwendung von Kuchendiagrammen“).

Dieses Buch ist ein wichtiger Schritt hin zur Definition von verbindlichen Notationsstandards und einheitlichen Vorgaben.

Die Best-Practice Vorlagen helfen, konkrete betriebswirtschaftliche Themen zu visualisieren und Berichte durch Mustererkennung schneller zu verstehen. Die Best-Practice-Vorlagen für Bilanz-, Erfolgs- und Liquiditätsbericht sind eine ungemein große Hilfe und Unterstützung für alle, die sich mit diesem Thema befassen.

Betrachtet man viele der Best-Practice Vorlagen, kann man nicht anders, als viele der Beispiele grandios zu finden – Diagramme sind leicht zu lesen und zu verstehen und stellen dem Betrachter gleichzeitig eine Menge an Informationen zur Verfügung.

Es finden sich viele Ideen, wie sich beispielsweise Abweichungen darstellen, oder kumulierte Werte und Periodenwerte in einem Diagramm darstellen lassen.

Es ist dem Buch zu wünschen, dass es breite Akzeptanz und Anwendung findet, damit sich ein Standard für die Visualisierung betriebswirtschaftlicher Themen durchsetzen kann.

 

Gefüllt, gerahmt, schraffiert: Wie visuelle Einheitlichkeit die Kommunikation mit Berichten, Präsentationen und Dashboards verbessert. Autoren: Rolf Hichert, Jürgen Faisst, Verlag Vahlen;
1. Auflage (29. Mai 2019), 232 Seiten

 

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Vahlen Verlags.